SIOSEH Nr.13
EDITORIAL
SIOSEH Nr.13 macht sich auf gegen Osten. Und das im Querformat:
Gepolsterte Objektpaare ragen in den Raum. Abgerundet die Kanten, glatt und von Fensterelementen durchsetzt ihre Foto-Oberfläche. Diesen organischen Miniaturwohneinheiten stellt HEIN SPELLMANN Fassadenansichten wirklicher Wohnwaben gegenüber. Und in ihrer Wechselbeziehung wird ein Innenleben spürbar, der Blick für individuelle Details geschärft: Plattenbau.

ALEXANDER PETLURA arrangiert opulente Gruppenbilder. Jede Tafel steht für eine Epoche, einen Abschnitt Russischer Geschichte. Modeströmungen des 20. Jahrhunderts oder Massenauswanderungen, das Aufkommen neuer Gesellschaftsmodelle oder der Verlust von Identität. Petlura bedient sich dabei der Bedeutung von Kleidern, Accessoires und Gegenständen, um in seinen Kompositionen Historie verschmitzt weiterzuspinnen: The Empire of Things/Das Reich der Dinge.
FernSehen. Über Landschaften. Hinaus ins Meer. In die Weite. Und doch sind OLAF OSTENS Gemälden Grenzen eingeschrieben. Ein Horizont bleibt sichtbar, spürbar. Die Sehnsucht, diesen zu erweitern, ihn zu überwinden, wird geweckt und findet in der Gegenüberstellung mit der Photographie eines Zugvogels in luftigen Höhen eine Entsprechung.
DMITRIJ SCHUBIN aus St. Petersburg inszeniert in Extra Body junge Frauen. Allein. In Gedanken. Zeit totschlagend. Verloren in kleinbürgerlichen, russisch anmutenden Wohnräumen. Intime Momente, seltsam entfremdet. Denn die Protagonistinnen sind sich der Anwesenheit eines Beobachters scheinbar bewusst. Und seien es die Frauenbildnisse westlicher Künstlerinnen, die sie von der Wand herab anblicken, wie Schwestern im Geist.
SISSIFARASSAT sucht Alltag in weissen Nächten, findet Südfrüchte hinter Glas, russischen Salat in der Vitrine, lockende Leuchtschriften und Zugbrücken durch strahlendes Blau. Nur die Piktogramme überwinden keine Sprachbarrieren, bleiben kurios: Als Strassenkehrer ist es verboten aus der Flasche zu trinken, beispielsweise. St. Petersburg 2001.
Porträts…






